MIT DER E-K-S NACH LONDON
   'No sir, when a man is tired of London, he is tired of life!' (Samuel Johnson)

 

                                                                                         Die Krone wird weiblicher

                                                            Männer des britischen Königshauses sollen in Thronfolge nicht bevorzugt werden

PERTH. Künftig dürfte im britischen Königshaus mehr Gleichberechtigung herrschen: Die Commonwealth Staaten stimmten kürzlich während ihres Gipfeltreffens in Australien einer Änderung der Thronfolge-Regelung zu. Bisher wurde automatisch der erstgeborene Junge eines Königspaares zum nächsten Thronfolger - gleich, wie viele Schwestern er hatte. In Zukunft sollen Mädchen gleichberechtigt behandelt werden. Damit könnte auch eine künftige Tochter von Prinz William und seiner Ehefrau Kate eines Tages Königin werden - selbst wenn sie jüngere Brüder hat.

"Die Einstellungen haben sich über die Jahrhunderte grundlegend geändert", sagte der britische Premierminister David Cameron. "Einige der veralteten Regelungen, wie einige der Regeln zur Thronfolge, ergeben für uns einfach keinen Sinn mehr." Sie passen nicht mehr "zu den modernen Ländern, die wir geworden sind". Er erklärte, falls William und Kate "ein Mädchen bekommen, wird sie einmal unsere Königin". Außerdem hoben die Commonwealth Länder die Regelung auf, die den Monarchen eine Ehe mit Katholiken verbietet.

Die Gastgeberin des Treffens, die australische Ministerpräsidentin Julia Gillard, begrüßte die Entscheidung. Auch wenn sie einfach erscheine, dürfe ihre historische Bedeutung nicht unterschätzt werden, sagte sie. Dem Commonwealth gehören 54 Länder an, in 16 von diesen ist Elizabeth II. Staatsoberhaupt.

Die Änderung der Thronfolge wurde schon häufig diskutiert: 2000, 2005 und zuletzt 2008 hat das Parlament darüber beraten. Zuletzt kochte das Thema vor der Hochzeit Williams mit der Bürgerlichen Kate Middleton im April hoch. William steht nach seinem Vater Prinz Charles (62), dem ältesten Kind der Queen, auf Rang zwei der Thronfolge. Elizabeth II. folgte ihrem Vater König Georg VI. auf den Thron (siehe Hintergrund).

Juristische Feinheiten klären

Bis allerdings nach Queen Elizabeth II. das nächste Mal eine Frau Großbritanniens Staatsoberhaupt werden kann, wird wohl noch Zeit vergehen. Zunächst müssen zahlreiche juristische Feinheiten geklärt werden. (dapd/dpa)

 

Hintergrund

 

Änderung ordnet Thronfolge neu

Trotz jahrhundertelanger Benachteiligung in der Thronfolge waren es Königinnen, die Englands Geschichte geprägt haben. Queen Victoria regierte 63 Jahre lang – eine Rekordzeit, die die derzeitige Queen Elizabeth noch übertreffen könnte. Nächstes Jahr feiert sie ihr diamantenes Thronjubiläum. Dass sie trotz männlicher Bevorzugung den besten Platz im Buckingham Palast ergattern konnte, verdankt sie allein der Tatsache, dass sie keine Brüder hatte.

Würden Kate und William nun eine Tochter und danach einen Sohn bekommen, würde nach neuer Regelung nicht mehr der Sohn, sondern die Tochter als Erstgeborene die Krone erben. Auch die derzeitige Thronfolge verschiebt sich: Prinzessin Anne, Tochter der Queen, schießt von Platz 10 auf Platz 4. Auch Prinz Harry, der nach alter Regelung den Thron von William geerbt hätte, sofern der keinen Sohn bekommt, muss sich nach einem Job umschauen.

(HNA 01.11.11)