MIT DER E-K-S NACH LONDON
   'No sir, when a man is tired of London, he is tired of life!' (Samuel Johnson)

 

    

Unheimliche Geschichte zum Anfassen

London: auf den Spuren Heinrich VIII.

Von Daniela Kohnen

Ein fast schon unheimlich anmutender Ort. Schwarze Raben, größer als gewöhnlich, liegen einem mit lautem Krächzen in den Ohren und kommen auf dem Weg in schnellen, stachsenden Schritten beängstigend nahe heran. Es ist als ob sie jeden vertreiben wollten - von einem Ort, der eine dunkle Geschichte hat.

Der Tower in London wurde von König Heinrich VIII. (1509 - 47) dazu benutzt, sich zweier seiner insgesamt sechs Gemahlinnen zu entledigen, - er ließ seine zweite Frau Anne Boleyn und die fünfte Gattin, Catherine Howard, köpfen.

Die anlässlich seines 500-jährigen Thronjubiläums bestehende Sonderausstellung "Dressed to kill" zeigt auf eindrucksvoller Weise zahlreiche Rüstungen und Waffen Heinrich VIII. Eine Rüstung wog damals bis zu fünfzig Kilogramm - hinzu kam noch der sieben Kilogramm schwere Helm. Besonders anschaulich für Kinder sind die Schwerter und Äxte zum Anfassen.

Nullmeridian in Greenwich

Doch der Tower ist nur einer von vielen Orten, die untrennbar mit dem Namen des Tudor-Königs verbunden sind. Der rund zehn Kilometer südöstlich des Towers gelegene Ort Greenwich beherbergt nicht nur den Null-Meridian, er ist auch der Geburtsort Heinrich VIII. Er machte Greenwich durch die Errichtung einer königlichen Waffenschmiede bekannt. Am besten ist das Örtchen mit einem der vielen Ausflugsboote direkt von der Tower Bridge aus zu erreichen, vorbei an den ehemaligen, nun morsch und heruntergekommen wirkenden Lagerhäusern, die an ein London aus früherer Zeit erinnern. Die rund zwanzig Quadratkilometer großen Docklands machten London im 19. Jahrhundert zu einer bedeutenden Wirtschaftsmacht. Wer fish & chips liebt, sollte bei einem Rundgang durch Greenwich unbedingt in der ‘Trafalgar Tavern‘ halt machen.

Die größte Schlossküche

Doch nichts wäre eine Reise auf den Spuren Heinrich VIII. ohne einen Abstecher zum Hampton Court Palace. Die Residenz im spätgotischen Stil umfasst rund 500 Gemächer, einen riesigen Wassergarten sowie einen königlichen Tennisplatz. Neben zahlreichen Königsgemächern können die größte noch erhaltene Schlosskirche des 16. Jahrhunderts und der über 24 Hektar große Schlossgarten besichtigt werden.

Eine weitere Residenz Heinrich VIII., Windsor Castle, ist außerhalb von London gelegen und das größte private, durchgängig bewohnte Schloss der Welt. Heute wird es von Königin Elizabeth II. als Sommerresidenz genutzt.

Eine AussteIIung zeigt neben den prunkvollen Staats- auch die Wohn- und Schlafgemächer Heinrich VIII. mit dem Mobiliar wie dem Himmelbett und lässt einen hautnah miterleben, wie der König damals gelebt hatte.

Und wer Glück hat, sieht auch einen lebensechten Heinrich VIII. durch die Gänge wandeln. In Windsor ist der Tudorkönig schließlich gestorben - beigesetzt wurde er in der zugehörigen St. Georg Kapelle.      

(HNA, 04.07.09)