MIT DER E-K-S NACH LONDON
   'No sir, when a man is tired of London, he is tired of life!' (Samuel Johnson)

                                                                                                                               

                 Auf Tuchfühlung mit der Queen

                             Queen Elizabeth kennt jeden ihrer 150 Angestellten auf Schloss Windsor persönlich.

In dem Schloss fühlt sie sich zu Hause

WINDSOR. Die Queen ist wieder zu Hause. Tony Martin, der alte Flaggenmann von Schloss Windsor, holt den Union Jack ein, der immer weht, wenn Elizabeth II. nicht anwesend ist. Stattdessen hisst er ihre gold-blau-purpurne Standarte mit den Löwen und der Harfe.

Überall im Schloss, unten im Städtchen Windsor und auch am anderen Ufer der Themse, im College - Städtchen Eton, wo Großbritanniens königlicher Nachwuchs zur Schule geht, haben die Leute den Flaggenwechsel registriert. Die Monarchin und das Volk. In Windsor an der Themse, eine gute Autostunde von der Hektik der Londoner Innenstadt entfernt, leben sie so sehr auf Tuchfühlung wie sonst nirgendwo im Königreich. Nicht immer war das Verhältnis ungetrübt. Doch im Jahr des 80. Geburtstags der Queen (21. April 2006) herrscht Harmonie.

Völlig vergessen scheinen die unruhigen Zeiten, als das Volk Elizabeth II. erst lautstark "Zeigen Sie Gefühl! " zurufen musste, ehe die Monarchin sich 1997 vor Fernsehkameras am Sarg der tödlich verunglückten Lady Diana verneigte. Der Ärger der Straße war groß, als die Queen damals zunächst ihre Erlaubnis für ein Staatsbegräbnis verweigerte. Davon ist keine Rede mehr.

Heute herrscht Hochachtung für die Hausherrin von Windsor mit der Vorliebe für leuchtend farbige Kostüme, schillernde Hüte und Handtaschen. Buckingham ist für die Königin ein prachtvolles Montag – bis - Freitag- Palastbüro. Ihr "Home" dagegen ist tatsächlich ihr "Castle", ihr, Schloss Windsor. 268 Tennisplätze ließen sich auf der Fläche von Windsor Castle unterbringen, das Wilhelm der Eroberer vor annähernd 1000, Jahren gründete und das seitdem ohne Unterbrechung von britischen Monarchen genutzt wurde. Mit seinen Türmen und Terrassen, Haupt- und Nebenhäusern, seinen Höfen und Ställen, Wohngebäuden und Gärten, mit zwei Kirchenkapellen und dem großen Park samt Polo-Arena und frei laufenden Hirschen, mit dem benachbarten Eton-College und der Pferderennbahn Ascot gleicht das Areal einem Königreich im Königreich. In ihrem Schloss kennt die Queen jeden der 150 Angestellten persönlich. Steve Davidson ist der" Time Keeper" von Windsor und damit weit mehr als irgendein anderer Uhrmacher des Landes. 450 Uhren gibt es im Schloss. Damit sie alle genau gehen - die in der Küche sind bewusst fünf Minuten vorgestellt, damit Gäste niemals zu spät bewirtet werden, ist Steve unentwegt auf Achse. 

(HNA, 27.02.06)